Stadträte
Interview
Beigeordneter Michael Hanne
"In der Natur tankt er Kraft"
LANDTAGSWAHL FDP-Kandidat Michael Hanne tanzt beruflich auf mehreren Hochzeiten / Sportschießen als Ausgleich
Die Landtagswahl am 27. März rückt näher. Die AZ stellt die vier Kandidaten für den Wahlkreis 29 vor. Wer gewählt wird, vertritt Bingen sowie die Verbandsgemeinden Gau-Algesheim, Rhein-Nahe und Sprendlingen-Gensingen im Mainzer Parlament. Heute: Michael Hanne, FDP.
Gassi-Runde gehört zum Alltag dazu
Sein Hund braucht Auslauf. Eros heißt er und ist ein wohlerzogener Jagdhund-Opa. „Er zwingt mich zur Bewegung.“ Michael Hanne schnappt sich die Leine. Die Gassi-Runde startet wie gewohnt am Lederwaren-Laden seiner Frau. Das Geschäft bestimmt stark den Tagesablauf der Familie.
Michael Hanne wäre wahrscheinlich Ingenieur geblieben - hätte er mit Beatrice Hagemann nicht in eine Binger Kaufmannsfamilie eingeheiratet. Er setzte den Wirtschaftsingenieur im Fernstudium obenauf, war Geschäftsführer im produzierenden Gewerbe. Vor sieben Jahren hat er sich als Berater mittelständischer Betriebe selbständig gemacht.
Das Büro ist unter einem Dach mit dem Laden. Hanne hilft Gründern beim „auf die Spur setzen“ von Unternehmerideen. Der 51-Jährige hat seine Jobs gedrittelt: „Ein Drittel entfällt auf Mithilfe hinter den Lederwaren-Kulissen, ein Drittel auf die eigene Firma und ein Drittel als Dezernatsleiter der Stadt Bingen.“ Michael Hanne wurde mit der letzten Stadtratswahl Beigeordneter. Er gehört zur Verwaltungsquadriga am Rhein-Nahe-Eck.
„Als Freiberufler bin ich gut greifbar.“ Und als Innenstadt-Bewohner oft besonders nah dran. Mit der Entscheidung seiner Frau zur Übernahme des Geschäfts der Eltern baute das Paar die Wohnung darüber aus. „Unser Sohn genießt es, sein Ruderrevier vor der Tür zu haben.“ Wohnen mittendrin. „Das ist extrem bequem“, findet Michael Hanne. Hund und Hobbys holen ihn oft genug raus aus der Stadt. Aus seiner Leidenschaft fürs Jagen macht der Liberale keinen Hehl. Gern bereitet er Wildbret selbst zu. Rehrücken-Schnitzelchen oder Rehhack-Lasagne gehören zu Hannes Geheimrezepten. „Kaninchen aus dem Mäuseturmpark schmeckt auch sehr gut.“ Der Hobbykoch weiß eben gern, wo Produkte herkommen.
Sportschießen dient Michael Hanne als Mentaltraining. „Beim Wettkampf kann ich komplett in Konzentration versinken.“ Der Dietersheimer Schützenverein ist seine Vereinsheimat.
Apropos Verein: „Eigentlich bin ich nur über die Binger Werbegemeinschaft in der Politik gelandet.“ Die Ladenübernahme führte zur Mitarbeit in der Werbegemeinschaft und bei „Bingen Unternehmen Zukunft“, kurz BUZ. Daraus wurde FDP-Aktivität, Stadtrats-Engagement, der Beigeordneten-Job und die Kandidatur zum Landtagsabgeordneten. „Einen 20-Jahresplan hatte ich wirklich nicht.“
Zugebaute Landschaften sieht Hanne mit Sorge
Der FDP-Mann erzählt beim Gassi-Gehen über Standort- und Wirtschaftsentwicklung. „Was mich wirklich umtreibt, ist die Zersiedelung der Landschaft.“ Zugebaute Landschaften im Landkreis und gleichzeitig öde Ortsmitten und leerstehende Logistikhallen sieht er mit Sorge.
Denn er tankt selbst gern Energie in der Natur, den Rheinauen, dem Rochusberg, im Binger Wald. Und am Wasser. Jagen, Schießen - fehlt nur noch das Angeln. „Für die Fischerei-Prüfung habe ich mir eine App zum Üben aufs Handy geladen.“ Kommt also noch.
Eros bleibt brav bei Fuß. Auf dem Rückweg noch ein paar Besorgungen und zur Post, dann ist die Hundepause vorbei
--Quelle:Allgemeine Zeitung--
Interview
Stadtrat Peter Eich
STADTRAT Peter Eich stellt sich vor
- Seit wann engagieren Sie sich in der Kommunalpolitik? Gab es einen
Auslöser?
Seit 1972 bin ich in der Kommunalpolitik aktiv. Zunächst als Mitglied im Sportausschuss, ab 1979 war ich 15 Jahre im Stadtrat. Nach einer Pause von 15 Jahren rückte ich nun im Herbst 2009 wegen des plötzlichen Todes von Frau Helga Freundlieb in den Stadtrat nach. Das Interesse an der Kommunalpolitik weckte bei mir der Binger Ehrenbürger und ehemalige Beigeordnete der Stadt Karl Horbach.
- Was ist so reizvoll daran, Mitglied des Stadtrats zu sein?
Das Ehrenamt „Stadtrat“ ist nicht immer reizvoll, um das gleich vorweg zu sagen. Es ist oft mühsam, zeitraubend und frustrierend, wenn Themen auf der Tagesordnung stehen, die einen im normalen Leben niemals tangieren würden. Auf der anderen Seite kann man jedoch in gewisser Weise an der Gestaltung der Stadt, bei Fragen des Zusammenlebens der Bürgerinnen und Bürger, dem Veranstaltungsangebot und vielen anderen Dingen mitwirken.
- Was bedeutet für Sie der Begriff Fraktionszwang bzw. unabhängiges Mandat?
Das imperative Mandat gibt es in Deutschland Gott sei Dank nicht. Jeder ist seinem Gewissen verpflichtet.
Es gibt jedoch das Problem der Mehrheitsfindung. Und dabei kann es durchaus sein, dass man sich im Rahmen eines Gedankenaustauschs davon überzeugen lässt, mit zur Mehrheit beizutragen, auch wenn das Ergebnis nicht hundertprozentig mit der eigenen Meinung übereinstimmt.
- Was gefällt Ihnen in Bingen am besten, was würden Sie am liebsten sofort anders machen?
Die Lage an Nahe und Rhein, die Rheinpromenade, der Rochusberg, der Binger Wald, all das gefällt mir sehr gut. Diese Schmuckstücke müssen noch mehr ins Bewusstsein vor allem der überregionalen Öffentlichkeit gerückt werden. Die Landesgartenschau 2008 war hier ein viel versprechender Anfang. Leider scheint es so, als schlafe die damals zu spürende Begeisterung wieder ein.
Da müsste bald etwas anders gemacht werden.
- Was wollen Sie in den kommenden fünf Jahre erreichen?
Wie oben erwähnt, müsste der Bekanntheitsgrad von Bingen verbessert werden.
Darüber hinaus ist es mein persönliches Anliegen, die Verschuldung der Stadt signifikant zu senken. Dies bedeutet meiner Meinung nach vor allem, dass verstärkt Einsparmöglichkeiten gesucht und umgesetzt werden müssen. Dies ist unter anderem durch eine bessere Kostenkontrolle bei öffentlichen Bauten möglich. Eine Kostensteigerung wie zum Beispiel beim Bau der Binger Grundschulmensa darf es einfach nicht geben.
Interview
Stadtrat Rainer Kneilmann
Stadträte stellen sich vor
Wirtschaftsstandort weiter fördern
AZ vom 25.07.2009 - BINGEN
STADTRAT Rainer Kneilmann stellt sich vor
Auch die Binger Kommunalpolitik geht in die Sommerpause. Eine gute Gelegenheit für die AZ, alle Mitglieder des neuen Stadtrats vorzustellen. Heute kommt Rainer Kneilmann (FDP) zu Wort.
- Seit wann engagieren Sie sich in der Kommunalpolitik? Gab es einen
Auslöser?
Seit ich nach dem Studium im Jahr 1996 aus der "Fremde" wieder nach Bingen heim
Rainer Kneilmann {bearbeiten} {entfernen}
gekehrt bin, habe ich meine passive Mitgliedschaft sukzessiv in eine aktive umgewandelt. Als echter Binger Bub gefiel mir schon länger nicht, dass die Binger nicht selbstsicher genug ihre Stadt nach außen vertreten und leider oftmals selbst Fremden gegenüber schlecht redeten. Das wollte ich unbedingt ändern, weil unsere Stadt zwar einige Schwachpunkte hatte aber schon immer ein großes Potenzial.
Daraus haben wir unser "Mehr für Bingen"- Programm mit den 5 B's entwickelt. Der letzte Auslöser war die Idee, dass sich Bingen für die LGS 2008 bewerben sollte. Zu den Stadtratswahlen 2004 habe ich dann kandidiert und bin im letzten Jahr als Nachrücker in den Stadtrat gekommen.
- Was ist so reizvoll daran, Mitglied des Stadtrats zu sein?
Als Stadtrat und in den Ausschüssen werden genau die Themen, die für die Entwicklung von Bingen zu einem bedeutenden Mittelzentrum notwendig sind, eingebracht, diskutiert und beschlossen. Wenn man bei solch einem Prozess von Anfang an dabei ist, und dann noch das Wunschergebnis dabei heraus kommt, hat sich der Einsatz doch gelohnt. Und man kann stolz und selbstbewusst das Ergebnis präsentieren.
- Was bedeutet für Sie der Begriff Fraktionszwang bzw. unabhängiges Mandat?
Fraktionszwang gibt es bei uns nicht. Das Mandat des Wählers zählt. Man könnte natürlich auch darüber spekulieren, wie viele Stimmen-anteile jeder Stadtrat als Personenstimmen und wie viele als Listenstimmen bekommen hat. Aber das führt zu keinem Ergebnis.
- Was gefällt Ihnen in Bingen am besten, was würden Sie am liebsten sofort anders machen?
Momentan gefällt mir am Besten das Rheinufer von A bis Z.
Ich würde am liebsten die Bahngleise ca. 10 Meter tiefer legen.
- Was wollen Sie in den kommenden fünf Jahre erreichen?
Für die kommenden fünf Jahre haben wir uns ein Programm gegeben, das die weitere Stärkung des Wirtschaftsstandortes sowohl bei den Betrieben als auch den Bürgern zum Ziel hat. Ein konkretes Ziel daraus ist, eine Strategie zu entwickeln wie zunächst die Binger Innenstadt und dann auch die Ortskerne der Vororte für das Wohnen mit gutem Lebensstandard und guter Lebensqualität wieder attraktiv gemacht werden.
Mit der bürgerlichen Kooperation (nicht Koalition) möchten wir von unseren Wahlzielen so viele wie möglich umsetzen. BIN für Energie aus Bingen, BIN für mehr Infrastruktur, BIN für mehr Sauberkeit, BIN für mehr Sport, BIN für mehr Kultur, BIN für mehr Bildung - BIN für Bingen.
Die Fragen stellte Lena Fleischer
Interview
Stadtrat Hasso Mansfeld
In politische Arbeit Werte einbringen
AZ vom 25.07.2009 - BINGEN
STADTRAT Hasso Mansfeld stellt sich vor
Auch die Binger Kommunalpolitik geht in die Sommerpause. Eine gute Gelegenheit für die AZ, alle Mitglieder des neuen Stadtrats vorzustellen. Heute kommt Hasso Mansfeld (FDP) zu Wort.
Hasso Mansfeld {bearbeiten} {entfernen}
- Seit wann engagieren Sie sich in der Kommunalpolitik? Gab es einen Auslöser?
Als ich 2001 wieder nach Bingen gezogen bin, war mir klar, dass ich mich in der Stadtpolitik engagieren wollte. Es hat aber noch bis 2004 gedauert, bis ich in die FDP eingetreten bin und mich aktiv ins politische Leben eingebracht habe. Ich gebe zu: Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da eingelassen habe.
- Was ist so reizvoll daran, Mitglied des Stadtrats zu sein?
Um ehrlich zu sein: Der ersten Euphorie, gewählt zu sein, folgt die Ernüchterung. Ich engagiere mich politisch, weil ich auf der Ebene meiner Wertevorstellung und Überzeugungen Einfluss nehmen möchte. Besondere Freude an politischer Arbeit habe ich nicht.
- Was bedeutet für Sie der Begriff Fraktionszwang oder unabhängiges Mandat?
Zwang ist ein furchtbares Wort: Zwangsanstalt, Zwangsjacke, Zwangsstörung, Fraktionszwang. Zwang ist die nachdrückliche Beeinflussung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit durch äußere Einflüsse - somit ziemlich das komplette Gegenteil der Wertvorstellung eines Liberalen. Wir haben in unser Fraktion kein Problem damit, zu einer Frage unterschiedliche Auffassungen zu haben und auch unterschiedlich abzustimmen.
- Was gefällt Ihnen in Bingen am besten, was würden Sie am liebsten sofort anders machen?
Super sind hier Wald, Wasser, Wein. Die Aussichten von Rochusberg und Elisenhöhe, das warme Klima und die Tatsache, dass das alles schon die Römer toll fanden. Und um die politische Kultur ist es auch nicht schlecht bestellt. Alerdings: Wenn ich´s zu bestimmen hätte, würde ich Mandatsträger sofort von der Annahme öffentlicher Aufträge ausschließen. Die Vergabe von städtischen Aufträgen an Stadtratsmitglieder finde ich unerträglich.
- Was wollen Sie in den kommenden fünf Jahren erreichen?
Weiterhin der zu bleiben, der ich bin.
Die Fragen stellte Lena Fleischer.